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Donnerstag, 24. Mai 2018

RUMS: Shirt mit Raffung

Ich bin ja immer wieder auf Pinterest unterwegs, zu allen möglichen Themen. Und da stolpere ich oft (wohl, weil ich auch entsprechendes gepinnt habe...) über Shirts mit Raffung. Die faszinieren mich total. Schaut euch einmal diesen Pin an - der hats mir echt angetan.
Also habe ich mich hingesetzt und erst einmal in ganz klein mit Zeitungspapier überlegt, wie das denn jetzt funktioniert. Bis ich mich dann - Wochen später - an den "großen" Schnitt gewagt habe.

Basis dafür war eine Shirt-Schablone, die ich schon letztes Jahr nach den Videos von kaidso-onlinekurse gezeichnet habe und nach der ich auch schon dieses Leiberl genäht habe. Das Praktische an der Schablone: sie ist schon doppelt. Also nicht nur der halbe Vorderteil im Bruch. Was aber im Prinzip auch egal wäre - neu aufzeichnen muss man für die Raffung sowieso.

Letzten Freitag war ich dann wieder bei meiner Freundin zum gemeinsamen Nähen (das letzte Mal ist ja dieser Cardigan entstanden, und ich kann jetzt berichten: ich liebe ihn!). Ich hatte mir bei Miranda Modaljersey besorgt, in ausreichender Länge (1,20 m!), weil der Vorderteil durch den eingedrehten Teil beim Zuschneiden ordentlich Stoff "frisst". Ärmellänge war ca. 3/4 geplant - abhängig davon, wie es sich mit dem Stoff ausgeht.

Nach dem Zusammennähen dann die Ernüchterung: Irgendwie hat es sich genau um den einen Busen herum gewurschtelt... (ich habe übrigens verkehrt herum zugeschnitten, weil ich die rechte Seite vom Modal zuerst nicht erkannt habe...) Nach eingehender Begutachtung und Überlegung, dass der Ausschnitt in der Vorlage ja einseitig ist, bei mir aber ziemlich symmetrisch, dann die Erleuchtung: In der Skizze sind Passzeichen eingezeichnet, die ich übersehen hatte: Der reingedrehte Teil geht nicht, wie von mir vermutet, in die Seitennaht sondern in den Armausschnitt (wenn ich nur ordentlich darüber nachgedacht hätte, hätte mir das eh klar sein müssen - wie sonst käme der asymmetrische Ausschnitt zustande).

Nun war aber das Shirt schon zusammengenäht (was mit Schere und etwas Geduld zu reparieren ist) und entsprechend auch falsch zugeschnitten (was nur schwer zu reparieren ist). GsD brachte ein schneller Check die Erkenntnis: es müsste sich ausgehen, wenn ich den Schnitt korrigiere. Das habe ich dann aber doch lieber auf in Ruhe und zuhause verschoben.

Wie ihr seht: es ist sich ausgegangen. Bei einem zweiten Shirt nach dem Schnitt würde ich zwar das eine oder andere korrigieren, aber es ist tragbar und gefällt!

So, und falls ihr auch so ein Raff-Shirt "basteln" wollt, hier eine kleine Anleitung - im Mini-Format, die Fotos, die ich ursprünglich gemacht habe, gelten ja nicht mehr...

Zuerst einmal den ganzen Vorderteil aufzeichnen - dafür einfach einen Shirt-Schnitt nehmen, der euch gut passt. Ob die Raffung besser rauskommt, wenn das Shirt etwas weiter ist, kann ich leider nicht sagen. Hier hab ich auch schon gleich die Teilungslinien eingezeichnet:

Dann wird der Teil abgepaust, der dann nach innen (zum anderen Armloch hin) gedreht wird. Anders als bei meinem Shirt würde ich rechts etwa in Brusthöhe ansetzen (meines dreht etwas zu weit oben).
Ich habe dazu einfach ein Stück transparentes Papier mit der geraden Kante unten angelegt und alle anderen Kanten nach oben hin abgepaust. Vom Halsausschnitt bis zum gegenüberliegenden Armloch eine Gerade ziehen. 
Wenn ihr deren Ausschnitt etwas weiter haben wollt, könnt ihr hier die Linie etwas mehr neigen - durch das darunter liegende Schnittmuster sieht man schön, wie hoch der Ausschnitt dann sein wird.


Dann die beiden Schnittteile einschneiden - dabei jeweils kurz vor der Kante stoppen, dass noch alles zusammen hängt. Der Teil mit dem X kommt weg.

Am einfachsten ist es meiner Meinung nach, das Ganze mit Tixo/Tesa auf Packpapier zu kleben, aufgefächert. Zuerst den großen Teil mit der aufgefächerten Schulter, dann den abgepausten kleineren Teil anlegen und auch auffächern:
Wenn ihr die Unterkante bündig an die Packpapierkante gelegt habt, müsst ihr noch etwas stückeln, weil die eine Seite durch das Auffächern etwas nach unten übersteht.

Die neuen Schnittkanten auf das Packpapier zeichnen. Vor dem Ausschneiden kommen noch die Belege (ca. 3-4 cm) dazu und ein "Einsatz" zwischen den beiden aufgefächerten Teilen:

Damit die kurzen Seiten der Belege später zu den entsprechenden Kanten passen, zeichne ich hier vorerst sehr großzügig mehr ein.
Dann die aufgeklebten Teile entfernen und alles gut beschriften, dass ihr hinterher auch wisst, was wohin gehört.
Fast fertig, nur noch die Belege müssen angepasst werden. Dazu einfach die Belege entlang der Kante umknicken und das überstehende Papier abschneiden (rote Pfeile):
Dasselbe natürlich auch am Beleg der anderen Seite.

Der fertige Schnitt für den Vorderteil:

Der Rückenteil bleibt so, wie er ist, bekommt aber für den Halsausschnitt einen Beleg, den ich einfach mit Hilfe des Schnittmusters freihand zuschneide.

So, jetzt gehts ans Nähen (leider ohne Fotos bei den ersten Schritten):
Zuerst den Beleg des hinteren Halsausschnitts rechts auf rechts an den Halsausschnitt des Rückenteils nähen.
Dann wird die aufgefächerte Schulter entweder in Falten gelegt oder einfach gezogen - schlussendlich soll sie jedenfalls so breit sein wie die Schulter des Rückenteils.

Jetzt werden Vorder- und Rückenteil an den Schultern zusammengenäht. Zuerst den Beleg des hinteren Halsausschnitts aufklappen und den Rückenteil mit der rechten Seite nach oben hinlegen:
Dann den Beleg des Vorderteils jeweils auf die linke Seite legen, den Vorderteil rechts auf rechts auf den Rückenteil legen, die Belegkante liegt genau bündig an der Belegkante des Rückenteils:
 Den Beleg des hinteren Halsausschnits darüberklappen und die Schulter nähen:
Auf der anderen Seite wiederholen.

Die aufgefächerte Kante des unteren Teils kräuseln.
Entsprechend der Markierungen an den gegenüberliegenden Armausschnitt heften, der Beleg liegt links auf links (anders als im Foto...)
(Im Foto ist der Ärmel schon eingenäht - siehe mein kleiner "Umweg" - daher habe ich den Einsatz nur an die bestehende Naht genäht - so gehts natürlich aus.)

Ärmel einnähen und zum Schluss die Seitennähte schließen.

Wie ich soeben gesehen habe, findet RUMS heute zum letzten Mal statt. Das finde ich echt schade - die Unsicherheit und Panik, die die DSGVO verbreitet, schlägt leider viele Blogger in die Flucht. Ob das im Sinne des Erfinders ist???
Ich hoffe, dass sich die Wogen glätten und die Bloggerwelt wieder bunt und vielfältig wird. Mit RUMS, denn das war in den letzten Jahren ein richtiges wöchentliches Highlight!
Danke, Sarah!

Stoff: Modaljersey von Miranda in Klagenfurt
Schnitt: eigener nach einer Idee gefunden auf Pinterest, Shirt-Schablone nach kaidso-onlinekurse
verlinkt bei: Create in Austria, RUMS

Kommentare:

  1. Oh, wie cool! Den Pin kenne ich auch, auf dieser Website gibt es ganz viele tolle Beispiele! Raffungen faszinieren mich auch, und daher finde ich es super, dass Du uns so viele Details zeigst - einfach nur wow!
    Sehr inspirierend!
    LG, Alice

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  2. Wow! Super, danke, dass Du das so ausführlich erklärst. Grandios, wie Du Dir selber diesen Schnitt gebastelt hast, und es sieht toll aus!
    Aber es ist nicht die "böse" DSGVO, die die Bloggerinnen in die Flucht schlägt, sondern die selbst erzeugte Hysterie, vor allem unter den Deutschen. Ich freu mich sehr, dass Du Dich nicht abschrecken lässt. Die Welt dreht sich weiter (ich hoffe, diejenigen die auf ihren Untergang heute gewartet haben, sind jetzt nicht enttäuscht). Ich freu mich sehr, dass Du Dich nicht abschrecken lässt und lese weiterhin gerne bei Dir! Ich hoffe, dass diejenigen, denen immer noch etwas an ihren Blogs liegt, in ein paar Wochen wiederkommen, wenn sich die Wogen geglättet haben und sie bemerken, dass der verbesserte Datenschutz vor allem uns als Kundinnen (Betroffene) zugute kommt. lg, Gabi

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  3. Super

    zum einen, schön, dass es dich noch (im Blog und natürlich im echten Leben) gibt

    und dann vielen Dank für´s Zeigen. So erklärt scheint es gar nicht mehr so schwer zu sein. Wobei (nur meine persönlich Ansicht) ich den Auschnitt wohl "tiefer" legen würde, mir selbst wäre es einfach zu eng am Hals. Bitte nicht falsch verstehen, das gilt für mich. Du hast bestimmt Gründe, wieso du es genauso genäht hast, wie es geworden ist.

    LG
    Zottellotte Sonja

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  4. Sehr cool, dass du das so ausführlich erklärst! Ich finde es überhaupt faszinierend, dass du dich mit den Schnitten immer so intensiv beschäftigst, anpasst, probierst... das Ergebnis spricht dann auch jedesmal für sich!

    Ganz liebe Grüße
    Claudia

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